Kreuzbandriss beim Hund: Symptome, Diagnose und TPLO

Ihr Hund hinkt plötzlich auf einem Hinterbein, setzt die Pfote nur zögerlich auf oder sitzt mit seitlich abgestrecktem Bein? Das kann auf einen Kreuzbandriss hindeuten – eine der häufigsten Ursachen für Lahmheiten der Hinterbeine beim Hund. Hier erklären wir verständlich, wie ein Kreuzbandriss entsteht, wie wir ihn erkennen und wie er behandelt wird.

Lahmheit abklären lassen: 01 / 6894001
Tierambulatorium Oberlaa · Himberger Straße 25 · 1100 Wien · reine Terminsprechstunde

Das Wichtigste in Kürze

  • Beim Hund reißt das Kreuzband meist nicht durch einen Unfall, sondern nach einer schleichenden Abnutzung des Bandes.
  • Typische Zeichen sind Lahmheit, eine Schwellung am Knie und ein „schiefes“ Sitzen.
  • Bleibt das Knie instabil, entsteht fast immer Arthrose. Oft wird zusätzlich der Meniskus verletzt.
  • Bei mittelgroßen und großen Hunden ist die Operation in der Regel die beste Lösung. Wir operieren mit der TPLO-Methode – bei Hunden und bei Katzen.
  • Nach der Operation folgt eine Erholungszeit von etwa drei Monaten mit einem genauen Bewegungsplan.

Was ist das Kreuzband – und warum reißt es?

Im Kniegelenk kreuzen sich zwei Bänder, die Oberschenkel und Schienbein miteinander verbinden. Das vordere Kreuzband verhindert, dass das Schienbein beim Auftreten nach vorne rutscht.

Beim Hund ist die Gelenkfläche des Schienbeins, das sogenannte Tibiaplateau, nach hinten geneigt. Bei jedem Schritt entsteht dadurch eine Schubkraft, die das Kreuzband ständig belastet.

Beim Hund: meist schleichender Verschleiß

Anders als beim Menschen entsteht der Kreuzbandriss beim Hund meist nicht durch einen einzelnen Unfall. Die Fasern des Bandes werden über Monate bis Jahre schwächer. Zuerst reißt das Band oft nur teilweise an (Teilriss). Später genügt eine alltägliche Bewegung – ein Sprung oder eine schnelle Wendung – und es reißt ganz.

Begünstigt wird das durch Übergewicht, den Körperbau und das Alter. Häufig betroffen sind zum Beispiel Labrador Retriever, Rottweiler, Neufundländer und Boxer. Aber auch kleine Hunde können einen Kreuzbandriss bekommen.

Bei der Katze: meist ein Unfall

Bei Katzen ist ein Kreuzbandriss seltener. Er entsteht meist durch einen Sturz, einen unglücklichen Sprung oder ein Hängenbleiben. Dabei werden oft auch andere Strukturen im Knie verletzt – deshalb ist eine gründliche Untersuchung besonders wichtig.

Woran erkennen Sie einen Kreuzbandriss?

  • Plötzliche Lahmheit: Ihr Hund hinkt oder setzt das Hinterbein gar nicht mehr auf.
  • Anlaufschmerz: Nach dem Liegen fällt das Aufstehen schwer, die ersten Schritte sind am schlimmsten.
  • Auffälliges Sitzen: Das betroffene Bein wird beim Sitzen seitlich weggestreckt, weil das Beugen des Knies schmerzt.
  • Schwellung: Das Knie ist dicker, warm oder berührungsempfindlich.
  • Wechselnde Lahmheit: Bei einem Teilriss kommt und geht die Lahmheit oft über Wochen.
  • Muskelabbau: Bei längerem Verlauf wird der Oberschenkel am betroffenen Bein dünner.
  • Klicken beim Gehen: Ein hörbares Klicken kann auf einen zusätzlichen Meniskusschaden hinweisen.

Unser Tipp: Filmen Sie Ihren Hund mit dem Handy beim Gehen und beim Aufstehen. Ein kurzes Video hilft uns bei der Untersuchung sehr – besonders, wenn die Lahmheit in der Ordination gerade nicht zu sehen ist.

So stellen wir die Diagnose

  1. Gespräch und Gangbild: Seit wann hinkt Ihr Tier, und wann ist es am schlimmsten? Wir sehen uns an, wie Ihr Hund geht, steht und sitzt.
  2. Orthopädische Untersuchung: Mit speziellen Handgriffen (Schubladentest und Tibiakompressionstest) prüfen wir, ob sich das Schienbein gegenüber dem Oberschenkel verschieben lässt. Bei sehr angespannten Tieren kann dafür eine leichte Sedierung nötig sein.
  3. Röntgen: Das Röntgenbild zeigt einen Erguss im Gelenk und erste Zeichen von Arthrose. Es hilft, andere Ursachen auszuschließen, und ist die Grundlage für die Planung einer Operation.
  4. Weitere Abklärung bei Bedarf: Ein Teilriss ist manchmal schwer nachzuweisen. In unklaren Fällen besprechen wir mit Ihnen, welche weiteren Untersuchungen sinnvoll sind.

Behandlung: Warum wir auf die TPLO setzen

Ziel der Behandlung ist ein stabiles, schmerzfreies Knie, in dem die Arthrose so langsam wie möglich fortschreitet. Für Kreuzbandrisse setzen wir in unserer Ordination die TPLO ein.

Die TPLO in einfachen Worten

TPLO steht für „Tibial Plateau Leveling Osteotomy“. Dabei wird das gerissene Band nicht ersetzt. Stattdessen wird der obere Teil des Schienbeins mit einem bogenförmigen Schnitt gelöst und so gedreht, dass die Gelenkfläche fast waagrecht steht. Eine Platte mit Schrauben hält den Knochen in der neuen Position, bis er verheilt ist.

Dadurch verschwindet die Schubkraft im Knie: Das Gelenk ist auch ohne Kreuzband stabil. Während der Operation wird außerdem der Meniskus kontrolliert. Beschädigte Anteile werden entfernt, weil sie sonst weiter Schmerzen verursachen würden.

Für wen eignet sich die TPLO?

  • für Hunde fast jeder Größe – mit Implantaten in passender Größe, auch für kleinere Hunde
  • für aktive Hunde und für Hunde mit Teilriss
  • für Katzen, nach individueller Abwägung

Bei kleinen Hunden tritt ein Kreuzbandriss manchmal gemeinsam mit einer lockeren Kniescheibe (Patellaluxation) auf. Das beurteilen wir bei der Untersuchung und berücksichtigen es bei der Planung.

Wer operiert?

Die Operationen führt Dr. Mario Sauer durch, Chirurg mit Schwerpunkt Orthopädie. Untersuchung, Vorbereitung und Nachkontrollen übernimmt Mag. med. vet. Slaviša Skrbić mit unserem Team. So haben Sie von der ersten Untersuchung bis zur letzten Kontrolle feste Ansprechpartner.

Und ohne Operation?

Ein gerissenes Kreuzband wächst nicht wieder zusammen. Bei sehr kleinen, leichten Hunden kann sich die Lahmheit mit konsequenter Schonung, Gewichtsreduktion, Schmerztherapie und Physiotherapie bessern. Das Knie bleibt aber instabil: Die Arthrose schreitet fort, und der Meniskus kann später noch reißen.

Bei mittelgroßen und großen Hunden führt eine Behandlung ohne Operation selten zu einem guten Ergebnis. Gibt es Gründe gegen eine Narkose, wägen wir gemeinsam mit Ihnen ehrlich ab, was für Ihr Tier am besten ist.

Ablauf bei uns – Schritt für Schritt

  1. Untersuchung und Röntgen – wir stellen die Diagnose.
  2. Beratungsgespräch – wir erklären Befund, Operation und Nachsorge und beantworten Ihre Fragen.
  3. Vorbereitung – Ihr Tier kommt nüchtern zur Operation. Was Sie sonst beachten müssen, erhalten Sie vorab von uns.
  4. Operation – durchgeführt von Dr. Mario Sauer. Wann Ihr Tier nach Hause darf, besprechen wir am Operationstag.
  5. Nachsorge – Sie bekommen einen Bewegungsplan für zu Hause. Kontrollen und Kontrollröntgen finden bei uns statt.

Nach der Operation

Die Knochenheilung braucht Zeit. Wie schnell Ihr Hund wieder fit wird, hängt stark davon ab, wie genau der Bewegungsplan eingehalten wird.

  • Woche 1–2: Ruhe, nur kurze Runden an der kurzen Leine zum Lösen. Halskragen oder Body verhindert das Lecken an der Wunde. Die Fäden werden nach etwa 10 bis 14 Tagen gezogen.
  • Woche 3–8: Spaziergänge an der Leine werden langsam länger. Keine Sprünge, kein Toben, keine Treppen ohne Hilfe. Physiotherapie kann den Muskelaufbau unterstützen.
  • Kontrollröntgen: Nach einigen Wochen prüfen wir, wie der Knochen heilt.
  • Ab etwa Woche 8–12: Nach unserer Freigabe darf Ihr Hund schrittweise wieder frei laufen und spielen.

Zu Hause helfen rutschfeste Teppiche, eine Rampe ins Auto und ein Platz ohne Sofa- oder Bettsprünge.

Mögliche Komplikationen

Jede Operation hat Risiken. Die meisten Komplikationen nach einer TPLO sind gut behandelbar. Dazu gehören:

  • Wundheilungsstörungen oder Infektionen, oft durch Lecken an der Naht
  • verzögerte Knochenheilung oder Probleme mit dem Implantat
  • eine spätere Meniskusverletzung
  • eine Reizung der Kniescheibensehne

Das wichtigste Mittel dagegen ist konsequente Schonung in den ersten Wochen. Rufen Sie uns bitte sofort an, wenn Ihr Hund das Bein plötzlich wieder nicht belastet, das Knie stark anschwillt, die Wunde gerötet ist oder nässt, oder wenn Ihr Tier fiebrig wirkt oder nicht frisst.

Häufige Fragen

Kann ein Kreuzbandriss beim Hund von selbst heilen?

Nein. Das gerissene Band wächst nicht wieder zusammen. Narbengewebe kann das Knie etwas stabilisieren, die Instabilität und die Arthrose bleiben aber bestehen.

Wie lange dauert die Erholung nach einer TPLO?

Meist belastet der Hund das Bein schon nach wenigen Tagen wieder. Bis der Knochen verheilt ist und Ihr Hund wieder frei laufen darf, dauert es in der Regel etwa drei Monate.

Ist mein Hund zu alt für eine Operation?

Das Alter allein ist kein Grund gegen eine Operation. Entscheidend ist der allgemeine Gesundheitszustand. Vor der Narkose untersuchen wir Ihr Tier gründlich.

Kann auch das andere Knie betroffen sein?

Ja. Weil der Kreuzbandriss beim Hund meist durch Verschleiß entsteht, sind häufig beide Knie betroffen – oft mit zeitlichem Abstand. Achten Sie deshalb auch später auf Lahmheiten am anderen Bein.

Was kann ich bis zum Termin tun?

Führen Sie Ihren Hund nur an der Leine, vermeiden Sie Toben, Sprünge und Treppen. Geben Sie keine Schmerzmittel aus Ihrer eigenen Hausapotheke – viele Medikamente für Menschen sind für Hunde und Katzen giftig.

Ist ein Kreuzbandriss ein Notfall?

Ein Kreuzbandriss ist nicht lebensbedrohlich, sollte aber zeitnah abgeklärt werden. Wenn Ihr Tier starke Schmerzen hat, erreichen Sie uns am Wochenende im Notdienst (Samstag und Sonntag, 14:00–23:30 Uhr) unter 0664 / 882 34727.

Operieren Sie auch Katzen?

Ja. Auch bei Katzen setzen wir die TPLO ein – nach gründlicher Untersuchung und individueller Abwägung.

Ihr Hund oder Ihre Katze hinkt?

Je früher ein Kreuzbandriss erkannt wird, desto besser lassen sich Folgeschäden am Meniskus und Arthrose begrenzen. Vereinbaren Sie einen Termin zur Abklärung:

Termin: 01 / 6894001 · Notfall: 0664 / 882 34727
Tierambulatorium Oberlaa · Himberger Straße 25 · 1100 Wien

Diese Informationen ersetzen keine tierärztliche Untersuchung. Medizinisch geprüft von Mag. med. vet. Slaviša Skrbić. Stand: Oktober 2026.